Mehr als „nur“ Schmuck

Corinna Mamok, mutiges und selbstbestimmtes Leben als Mama und Frau, Echtheit, Goldschmiede Dauber
Corinna
Corinna

"Ich habe ein Faible für Menschen und ihre Geschichten."

Als ich ein kleines Kind war, war eine meiner Lieblingsbeschäftigungen den Schmuck meiner Mutter anzuziehen. Ich weiß noch, wie ich immer in ihr Schlafzimmer geschlichen bin um an ihren Ketten und Ringe rumzuspielen, die an einem kleinen zauberhaften vergoldeten Baum hingen. Wenn ich den Schmuck anhatte, fühlte ich mich größer, schöner und erwachsener. Ich träumte davon wie es wohl sein wird, eine Frau zu sein, die alles tun kann was sie will. Ich weiß noch wie sehr ich meine Mutter immer bewundert habe. In dem Alter war noch alles was sie tat irgendwie cool. 

Als ich ein Teenager war, änderten sich meine Gefühle gegenüber meiner Mutter schlagartig. Meine Eltern trennten sich und die ganze Wut die ich damals empfand projizierte ich auf sie. Irgendetwas Großes ging dabei kaputt und unser Verhältnis hat sich bis zu ihrem Tod nie wieder richtig erholt. Es wurde zwar mit den Jahren besser, aber die Kluft zwischen uns blieb weiter bestehen. In den letzten sechs Monaten vor ihrem Tod, hatten wir uns auf eine seltsame Art und Weise angenähert. Ich glaube es lag daran, dass das Ticken der Uhr einfach nicht mehr zu überhören war. Nach ihrem Tod erbte ich den Schmuck, den ich als Kind so sehr bewundert hatte. Große geschwungene Ohrringe, ein Ring und eine Kette mit einem Geparden-Anhänger.

In den ersten Wochen nach ihrem Tod trug ich immer wieder mal das ein oder andere Schmuckstück davon, aber es fühlte sich immer falsch an. Der ganze Groll meiner Kindheit war immer noch da und dazu kam noch eine Riesenportion an Schmerz darüber, das sie für immer weg war. Ich legte den Schmuck in die Schublade und dort lag er fast 10 Jahre lang bis ich im Winter 2019 Nora kennenlernte. 

Nora uns ich lernten uns im beruflichen Kontext kennen und als ich das erste Mal in ihrer Goldschmiede war, dachte ich nur „Wow, auch wenn ich es mir jetzt noch nicht leisten kann, irgendwann trage ich auch so wunderschönen Schmuck. Schmuck der etwas bedeutet, der etwas wert ist. Kein Modeschmuck, keine Massenproduktion. Sondern Schmuck, der nur für mich gemacht wurde“. Nora erzählte mir, dass sie gerne aus altem Schmuck etwas Neues macht. Als ich das hörte, fand ich die Idee zwar unglaublich cool, doch ich war mir nicht sicher, ob ich das darf. Durfte ich den Schmuck meiner Mutter einfach einschmelzen lassen und daraus etwas Neues machen, oder war das respektlos? Je länger ich darüber nachdachte, desto mehr tendierte ich dazu, dass ich das darf und auch will. 

Aus „alt“ mach „neu“

Ein paar Monate später war es dann soweit, ich brachte den alten Schmuck meiner Mutter zu Nora, damit sie ihn einschmelzen und etwas Neues daraus machen konnte. Ich entschied mich für etwas, dass ich schon immer haben wollte Kaktusohrstecker und einen passenden Anhänger. Kakteen gehören zu meinen Lieblingspflanzen. Ich mag, das sie pieksig sind und damit ein wenig unnahbar. Außerdem sind sie robust und entsprechen nicht dem gängigen Schönheitsideal. Sie sind irgendwie besonders und sie mögen den Winter genauso wenig wie ich.

Mein erstes Selfie mit Schmuck

Ich erinnere mich noch ganz genau an den Moment, als ich den Schmuck gerade abgeholt hatte und im Auto fast vor stolz geplatzt bin. Es war von der ersten Sekunde ein überragendes Gefühl diese Ohrstecker zu tragen. Mein Mann behauptete sogar, dass ich plötzlich aufrecht gehen würde. Einerseits war ich so voller stolz, weil etwas, dass ich nur wenige Monate zuvor für unmöglich hielt, plötzlich real war. Andererseits aber auch, weil es ein völlig anderes Gefühl war, etwas „echtes“ auf der Haut zu haben. Echtheit ist einer meiner wichtigsten Werte und ihn auf diese Art plötzlich zu leben war cool.

Die komplette Tragweite der Bedeutung dieses Schmucks verstand ich allerdings erst Monate später, als ich bereits noch zwei neue Ringe bei Nora bestellt hatte. Zu dem Zeitpunkt fing ich gerade mit meiner Freundin zusammen (die auch mein Coach ist) an meinen emotionalen Keller aufzuräumen. Irgendwann fragte sie mich, wie es für mich sei, meine Mutter plötzlich so nah an mich heranzulassen. Zuerst verstand ich die Frage nicht…. Als ich jedoch etwas länger darüber nachdachte, verstand ich nach und nach den gesamten Prozess. Es war nicht nur Schmuck und es ging auch nicht nur darum etwas Echtes oder Besonders zu tragen.

Es ging viel mehr darum mit meiner Mama Frieden zu schließen und sie wieder in mein Leben zu lassen, auch wenn sie bereits tot war. Egal was zwischen mir und ihr passiert ist, sie hat mich immer geliebt und dieser Schmuck hilft mir dabei es nicht wieder zu vergessen. Das Schönste daran ist, dass ich diesen Schmuck zu meinem eigenen gemacht habe, es ist zwar ein Geschenk meiner Mama, aber ich kann ihn gestalten wie ich will. Genau wie das Leben, dass sie mir geschenkt hat. Wie ich schon sagte, es ist eben mehr als nur Schmuck.

Wenn du mehr über Nora und ihren großartigen Schmuck erfahren möchtest, kannst du ja mal bei ihr vorbeischauen.

www.goldschmiede-dauber.de