Über vegane Ernährung, Perspektivwechsel und Mamasein

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Corinna
Corinna

"Ich habe ein Faible für Menschen und ihre Geschichten."

Interview mit Johanna alias @flusine

Social Media ist für mich irgendwie immer noch Fluch uns Segen zugleich. Einerseits nervt es mich total, dass ich so viel Zeit vor dem Bildschirm verbringe und andererseits lernt man dort ganz easy ultra spannende Menschen kennen. Johanna gehört zu ihnen. Sie ist mir irgendwann auf Instagram durch ihre geistreichen Perspektivwechsel aufgefallen.

Sie beschreibt gerne mal die gleiche Situation nur aus verschiedenen Blickwinkel. Besonders bei ihren Mama-Kind Perspektivwechsel fühle ich mich des öfteren ertappt. Ich mag die Art, wie sie mich zum nachdenken bringt.

Aus diesem Grund freue ich mich umso mehr, dass sie sich die Zeit genommen hat mir ein paar Fragen zu beantworten. Wir sprechen über vegane Ernährung, das Leben als Mama, Vereinbarkeit und vieles mehr. Los geht’s mit dem Interview mit Johanna alias @flusine.

Wer bist du und was machst du?
 Ich bin Johanna, 34 Jahre alt und zweifache Mama. Aktuell bin ich selbständig als Influencerin und berate Menschen hinsichtlich einer veganen Ernährung.

Wie bist du dazu gekommen? Was hast du vorher gemacht?
Ich habe mich schon immer sehr für Ernährung interessiert, allerdings hat mir immer der Mut gefehlt mich dahingehend selbständig zu machen. 2019 habe ich mich dann entschieden bei einer Fernschule die Ausbildung zur veganen Ernährungsberaterin zu machen. Ursprünglich habe ich einen Masterabschluss in Steuern und Wirtschaftsprüfung, also ein ganz anderer Bereich.
 
Was ist dein Warum hinter deiner veganen Ernährung?
Mein Grund für die Umstellung war das Leid der Tiere. Ich lebe vegetarisch seit ich 14 bin und als ich dann 2011 in Berührung mit der veganen Lebensweise kam und erfuhr, was hinter der Milch- und Ei-Industrie steckt, habe ich gemeinsam mit meinem Mann innerhalb von einer Woche alles umgestellt und nie wieder tierische Produkte zu mir genommen.

Kann man sich als Familie vegan ernähren? Na klar! Johanna gibt dir erste Tipps!

Wenn man als Familie gerne anfangen würde sich vegan zu ernähren. Was wäre der Einstieg? Hast du einen Tipp?
Ich würde auf jeden Fall empfehlen, sich vorher zu informieren, worauf man achten sollte – allerdings kann ich aus meiner praktischen Erfahrung sagen, dass die meisten das auch sehr sorgfältig tun. Der Großteil der veganen Eltern, die ich berate ist bereits gut aufgestellt und erhofft sich von mir in erster Linie noch etwas Sicherheit, weil man grad beim Thema vegane Kinder sehr viel Gegenwind bekommt. Aber ich schweife ab.

Was ich auf jeden Fall auch empfehlen würde, es im eigenen Tempo zu tun. Nicht alle Menschen sind so Hals über Kopf mäßig unterwegs wie ich. Es ist auch ok, erst mal nur vegane Tage einzulegen. Ich finde es sinnvoll, zu überlegen, wie man die liebsten Gerichte vegan nachbauen kann. Es gibt inzwischen ja sooo viele Bücher und Blogs mit Rezepten. Hinsichtlich des Themas Nährstoffe wäre übrigens DAS Buch für mich Niko Rittenau – Vegan Klischee ade. Das würde ich als Lektüre allen raten, die gern umstellen möchten.

Lass uns übers Mamasein sprechen!

Lass uns ein wenig über dein Leben als Mama sprechen, wie fühlt sich zur Zeit die Vereinbarkeit von Beruf und Familie für dich an?
Ziemlich utopisch, aktuell. Zumindest solange der Kindergarten und ein Paar Großeltern wegfallen sowie unsere Babysitterin – wir haben seit Monaten nur zu meinen Eltern noch Kontakt.

Was ist aktuell deine größte Herausforderung? Und was hilft dir dabei sie zu meistern?
Mich selbst nicht zu vergessen. Bei alle den To Dos und der Zeit mit den Kindern neige ich dazu, mich selbst zu übergehen, und das führt dann zu sehr angespannten Nerven. Mir hat geholfen, eine Liste aufzustellen mit Dingen, die mir gut tun und zu versuchen, diese in meinen Alltag zu integrieren. Insbesondere ist das der Sport. Ich nehme mir jeden Morgen 30 Minuten für HIITs oder Yoga. Danach dann eine Tasse Kaffee in Ruhe. Das muss einfach sein für mich.

Wie war für dich das Jahr 2020? Welche Herausforderungen konntest du letztes Jahr meistern?
Ich glaube, worauf ich tatsächlich am stolzesten bin, ist dass ich letzten Mai ein Projekt abgesagt habe, weil ich gemerkt habe, dass ich daran kaputt gehen würde. Es war eigentlich fertig geplant, aber ich hätte es nur durchgezogen um andere nicht zu enttäuschen. Da habe ich meine Grenze erkannt und gewahrt, was mir sonst sehr schwer fällt. Außerdem habe ich endlich einen Pflegegrad für meinen Sohn erkämpfen können, mit dem wir jetzt Hilfe und Therapien in Anspruch nehmen können. Ansonsten hatte ich wahrscheinlich ähnliche Herausforderungen wie die meisten: Mit diesem plötzlichen Einschnitt im Alltag umzugehen und da Wege zu finden.

Haderst du manchmal mit deiner Mutterrolle?
Mit der Mutterrolle tatsächlich wenig. Eher damit, meine anderen „Rollen“ nicht zu vergessen. Die rufen in letzter Zeit laut und fordern vehement mehr Zeit und Raum ein.

Wie sieht für dich die Rolle der “modernen Mutter” aus?
Puh. Gute Frage. Wünschen würde ich mir, dass die moderne Mutter die Möglichkeit hat, ihren Weg so zu gehen, wie es für sie und ihre Familie passt.

Denkst du das Gesellschaftsbild einer Mutter muss überarbeitet werden?
Auf jeden Fall. Die Erwartungshaltung an Mütter ist sehr hoch und teilweise unrealistisch. Mütter sollen am besten immer für ihre Kinder da sein, aber sich bloß nicht selbst aufgeben. Ihre Kinder nicht zu früh in die Krippe schicken aber ja nicht zu lange zu Hause bleiben. Unvereinbare Gegensätze, die nicht erfüllt werden können. Insgesamt würde ich mir mehr Gleichberechtigung in der Elternschaft wünschen. Väter müssen nämlich in der Regel nicht so hohe Ansprüche erfüllen.

Welche Erwartungen hast du an dich selbst? Als Mutter und als Frau und wie gelingt es dir, diese zu erfüllen? 
Ich neige leider sehr zu Perfektionismus und habe lange gebraucht, das etwas abzulegen. Also oft waren meine eigenen Erwartungen auch viel zu hoch. Inzwischen bin ich mit weniger zufrieden und bin etwas gnädiger mit mir.

Perspektivwechsel gefällig?

Ich habe zu Beginn erwähnt, dass du mir durch deine Persepektivwechsel bei Instagram aufgefallen bist, was ist deine Intention dahinter? 
Ich möchte mit den Perspektivwechsel zeigen, dass die meisten Geschichten zwei Seiten haben. Zum Nachdenken anregen, ohne zu werten oder zu urteilen.

Denkst du das sie dabei helfen ein besseres Verständnis füreinander zu entwickeln?
Ja, ich glaube die Perspektive des Gegenübers einnehmen ist der Schlüssel bei zwischenmenschlichen Beziehungen.

Was würdest du dir generell für unsere Gesellschaft wünschen?
Vor allem mehr Empathie und Offenheit.

Wenn es eine gute Fee geben würde, die dir einen Wunsch erfüllt, welcher wäre dies?
Ok, das ist auf jeden Fall die schwierigste Frage. Aktuell wahrscheinlich, dass Corona vorbei ist. Für mich ganz persönlich und weil das glaube ich viele sehr belastet, auf verschiedene Arten und Weisen. Insgesamt würde ich mir weniger Ungerechtigkeiten wünschen.

Nenne mir eine Sache, die du von deinen Kindern gelernt hast?
Den Moment zu schätzen. Das Gute zu sehen. Zu vergeben. Ok. Waren drei Sachen.

Wie sieht für dich der perfekte Tag aus?
Früh aufstehen, mein Workout machen oder laufen gehen, in Ruhe duschen und Kaffee trinken. Dann mit einer Freundin brunchen und reden. Nachmittags gemeinsam als Familie ein Ausflug. Ich mag einfach kleine Dinge. Es muss nichts Weltbewegendes sein. Ich bin großer Alltags-Fan.

Was läuft aktuell richtig gut bei dir?
Beruflich läuft es grad ganz gut. Ich habe sehr wertschätzende Kundinnen in der Beratung und tolle Kooperationspartner auf Instagram.

So das war das wunderschöne Interview mit der lieben Johanna. Wenn du mehr über sie erfahren möchtest, schau doch mal auf ihrem Instagramkanal @flusine vorbei und auf ihrer Webseite www.zarte-pflaenzchen.de bekommst du mehr Infos zum Thema vegane Ernährung.

Du möchtest weiterlesen? Kein Problem, kennst du schon die Story von Kathi? Sie war Schauspielerin und hat sich dann nach ihrem ersten Kind dazu entschieden Krankenschwester zu werden.