Worum geht es im Leben wirklich?

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Corinna
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"Ich habe ein Faible für Menschen und ihre Geschichten."

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Das ist eine Frage die ich mir oft stelle, um die Weihnachtszeit immer noch ein bisschen öfter. Und in diesem verrückten Jahr wahrscheinlich noch ein bisschen mehr. 2020 hat uns alle ordentlich durchgeschüttelt und gefühlt ist Nichts mehr so wie es einmal war und umso mehr stelle ich mir die Frage nachdem was wirklich zählt. Wenn ich mir meine Zeitbilanz in diesem Jahr anschaue könnte man tatsächlich meinen es sei die Arbeit die mir am wichtigsten ist. Es war ein intensives Jahr das stimmt, aber das was mich die ganze Zeit angetrieben hat, sind die Menschen und ihre Geschichten. Ich hatte dieses Jahr die unglaublich großartige Gelegenheit ein Buch zu schreiben. Ein Buch, das ich angefangen habe, weil ich zeigen wollte wie bunt Familie ist. Ich wollte ein Statement gegen den Vergleich und die Beurteilung setzen. Es gibt ja nie den einen Weg ein Leben zu leben, sondern immer nur den eigenen. Mein Weg sah in diesem Jahr so aus, dass ich mir viele verschiedene Wege ansah, großartige Frauen interviewte und jedes Mal mit neuen Erkenntnissen nach Hause kam. Nachdem ich mein Manuskript im Oktober abgegeben hatte, dachte ich kurzfristig das Projekt wäre für mich „beendet“, es würde eine Art Geschichtenpause auf mich warten. Doch seit ich das zum ersten Mal dachte, fliegen mir die Geschichten die ich unbedingt erzählen möchte einfach so zu, genau wie die Geschichte von Tamara.

Wenn ich ehrlich bin, habe ich selten so lange gebraucht, um das was ich fühle und denke in Worte zu fassen. Das was du gerade liest ist bestimmt schon der dreißigste Anlauf und ich bin mir immer nicht sicher, dass es mir diesmal gelingt. Ich muss die ganze Zeit an die Shwan Mendes Doku auf Netflix denken, da sagte er dass man manchen Dingen einfach nicht gerecht wird. „Es ist wie, wenn man versucht mit einem Iphone den Mond und die Sterne einzufangen. Das geht nicht. Es sieht einfach nicht gut aus.“ Das gleiche Gefühl habe ich gerade mit diesem Text. Egal was ich schreibe, es fühlt sich immer ein bisschen so an, als würde ich etwas Wichtiges weglassen. Es fällt mir schwer, die Gefühle, die ich während des Gesprächs hatte in Worte zu fassen. Ich denke es liegt daran, dass Tamara gleichzeitig mehrere Punkte bei mir getriggert hat. Zuerst war da die Abenteuerlust, die sie mit ihrer Geschichte von ihrer Auswanderung von der Schweiz nach Costa Rica vor 20 Jahren, ins Rollen brachte. Dann kam ihr minimalistischer Lebensstil dazu, den ich mir oft in unserem „überladenen“ Leben wünsche. Und zum Schluss beindruckte sie mich mit ihrem Urvertrauen, ihrer Hoffnung und ihrer Einstellung zum Leben. Obwohl das Leben der dreifachen, alleinerziehenden Mama aktuell alles andere als einfach ist, hat sie ein festes Vertrauen darin, dass am Ende alles gut wird.  Corona hat ihr, wie auch vielen anderen ihre bisherige Existenzgrundlage genommen. Vor dem Zusammenbruch des internationalen Tourismus auf Costa Rica arbeitete sie für ein Reisebüro, das Touren für deutschsprachige Touristen anbot.

Die andauernde Pandemie hat sie dazu gebracht ein Stück Land zu kaufen auf dem sie ihre eigenen Lebensmittel anbauen kann. Zusätzlich verdient sie Geld damit, dass sie sich um Airbnb Wohnungen kümmert. Ich fragte sie, wie es ihr mit dieser Ungewissheit ginge und sie antwortete nur: „Natürlich, gibt es auch Tage an denen ich zweifle. Doch an den meisten Tagen, bin ich einfach nur dankbar für das was ich habe. Es ist ein großartiges Gefühl, wenn ich meine Hände in die Erde stecken kann. Zu sehen wie das was man sät einige Zeit später Früchte trägt ist ein großes Glück.“ Sie erzählte mir, dass ich das Leben auf Costa Rica nicht mit dem in der Schweiz oder Deutschland vergleichen könnte, da man viel weniger benötige um gut zu leben. „Auf Costa Rica brauchst du keine Sommer und Wintergarderobe. Du trägst den Großteil des Jahres kurze Hosen und Flip Flops. Es gibt es auch wenig Vergleiche, sondern eher ein Geben und Nehmen. Braucht jemand etwas das du hast, gibst du es ihm und umgekehrt.“

Hört sich an wie in einem Paralleluniversum, oder? Als Tamara mir dann noch von ihrem Adventskalender erzählte, war es irgendwie ganz bei mir vorbei und ich fragte mich, warum ich nicht so etwas Großartiges mit meinen Kindern mache. In dem Adventskalender von Tamaras Kindern findet man nämlich keine Süßigkeiten, Spielsachen, Stifte oder was auch immer. Sondern kleine Zettel auf denen Lebensmittel und andere Dinge des täglichen Bedarfs stehen. Doch diese Dinge sind nicht für Tamara und ihre Familie, sondern für Bedürftige. Am 23. Dezember geht Tamara dann mit ihren Kindern all die Dinge kaufen, die auf den Zetteln standen und verteilt sie an andere bedürftige Familien. Drei mal dürft ihr raten, wer zu dem Zeitpunkt heulend an seinem PC saß. Ich natürlich. Ich war von der Großzügigkeit und der Liebe so gerührt, dass ich es später meinen Mann nur in Bruchstücken weitergeben konnte, weil ich dazwischen immer wieder Tränen weg atmen musste. Eine Frau, die zwei Kinder (das dritte Kind ist bereits erwachsen und lebt in der Schweiz) zu versorgen hat, der durch die Pandemie ihre bisherige sichere Existenzgrundlage genommen wurde und die keine Ahnung hat wie es weitergeht, sammelt Spenden für andere Familien. Ja, ich glaube das ist die Antwort worum es im Leben wirklich geht. Um Beziehungen zu anderen, um Liebe, Hoffnung, Mitgefühl und dem Geben. Ich habe mich während des Gesprächs dazu entschieden, den Wert des Adventskalenders meiner Kinder dieses Jahr nach Costa Rica an Tamara zu spenden. 

Ich hatte plötzlich das große Bedürfnis ihr etwas für ihr Engagement und ihre Nächstenliebe zurückzugeben. Denn auch wenn es „nur ein Gespräch“ war hat sie mir etwas gegeben, dass man mit Geld nicht aufwiegen kann. Ich hoffe du konntest aus dieser kleinen Geschichte genauso viel mitnehmen wie ich. Vielleicht inspiriert sie dich ja auch dazu jemanden etwas zurückzugeben. Falls ja, wünsche ich dir viel Freude beim „Geben“.