Selbstexperiment: Nur 15 Min Smartphone/Tag

Corinna Mamok
Corinna Mamok

Expertin für Selbstexperimente - Fotografin - Autorin

Selbstexperiment 15 Min Smartphone pro Tag

An Tagen wie heute fühlt sich dieses Selbstexperiment wie die Hölle auf Erden an. Ich habe miese Laune, bin uninspiriert, habe leichte Kopfschmerzen und dazu kommt noch, dass draußen alles grau ist und es ununterbrochen regnet. Kurz gesagt, ich bin heute schrecklich verjammert und die Welt ist böse, sogar das Wetter, obwohl mir Regen in der Regel nichts ausmacht. Eigentlich mag ich ihn. Das habe ich meiner Oma zu verdanken, denn sie ist im Regen immer mit mir spazieren gegangen, damit ich Regenwürmer beobachten und in Pfützen springen konnte. Danach gab es dann Kranzkuchen mit warmem Kakao. Eine schöne Kindheitserinnerung. Und trotz dieser schönen Erinnerung finde ich heute alles blöd. Höchstwahrscheinlich bin ich einfach müde.

Sich vom eigenen Elend ablenken

Laut meinem Gehirn wäre JETZT genau der richtige Zeitpunkt, um nach meinem Smartphone zu greifen, damit es mich von meinem Elend ablenkt. Innerhalb von Sekunden könnte ich in die unterschiedlichsten Welten eintauchen. Könnte mir Katzenvideos anschauen, mir das selbstinszenierte Leben anderer anschauen oder ganz einfach mein “Leid” mit anderen teilen. Damit Freunde und Familie auch in den Genuss meines emotionalen Tiefs kommen. Wer weiß, vielleicht würde es mir mit ein bisschen Zuspruch und Mitgefühl meiner Freunde auch schnell wieder besser gehen. Vielleicht würde mich auch das scheinbar tolle Leben der anderen inspirieren. Wäre alles denkbar. 

Geistig auf Stand-by

Viel wahrscheinlicher wäre allerdings, dass ich mich danach zusätzlich noch darüber ärgern würde, dass ich mir selbst schon wieder nicht zugehört habe und nicht bereit war, mein eigentliches Bedürfnis zu erforschen. Denn so richtig wissen, warum ich mich gerade fühle, wie ich mich fühle, tue ich nicht. Wenn ich jetzt zum Smartphone greifen würde, dann würde ich  für einen Moment das Leben von anderen mit leben. Und schwups wäre mein doofes Gefühl stumm geschaltet. Ein Aspekt, den ich an meinem Umgang mit der Onlinewelt nicht mag. An Tagen, an denen ich (wie heute) nicht gut drauf bin, neige ich dazu, so in diese virtuelle Welt abzudriften, dass ich vergesse, was ich eigentlich los ist. Dann höre ich mir und meinen Gefühlen nicht mehr zu und laufe geistig auf Stand-by. Doch damit ist jetzt Schluss. Für mein Selbstexperiment widerstehe ich der Versuchung. Auch wenn es heute echt hart ist. 

Bitte betäuben

Der Grund für das Selbstexperiment ist, dass mir aufgefallen ist, dass ich mein Smartphone nutze, um mich kurzfristig damit zu “betäuben”. Ich lenke mich vom Wesentlichen ab und unterbreche meinen Alltag. Auch beim Arbeiten. Meistens dann, wenn ich eigentlich müde bin, oder einfach nur Ruhe will. Doch anstatt mir eine Pause zu gönnen, gönne ich mir ein paar Minuten Smartphone. Und das ist nicht gut. Denn es führte in letzter Zeit dazu, dass ich mich schlecht konzentrieren konnte und oft den Fokus verlor. Mit dem Selbstexperiment will ich einerseits ruhiger und entspannter im Kopf werden und andererseits auch wieder meine Konzentration steigern.

Wenn der Mental Load nach dem Smartphone ruft

In den ersten Tagen war es ultraleicht, aufs Smartphone zu verzichten, meist hatte ich abends noch 7 von 15 Minuten übrig.Das lag vor allem daran, dass ich Urlaub hatte und weder müde noch gestresst war. Doch heute ist es irgendwie hart. Die war ultra anstrengend und ich bin so müde, dass ich merke, dass ich müde bin. Mein Mann ist aktuell beruflich stark eingespannt, sodass die Carearbeit zu 95% an mir hängen bleibt und das in Kombination mit Job und allem drum und dran ist es gerade einfach VIEL.

Und auch wenn ich mir Minipausen im Alltag einbaue, ist der Mental Load hoch und mir fallen im Minutentakt Dinge ein, die ich gerade mit dem Smartphone erledigen könnte. Jetzt gerade könnte ich für Kind 1 noch das Essen für die Schule bestellen. Doch ich lasse es und schreibe es erst mal auf einen Zettel. Ich will wegkommen von diesem reflexartigen Griff zum Smartphone, denn eigentlich ist genau das, was mich stresst. Dass ich jederzeit überall schnell noch was erledigen könnte. Will ich nicht mehr.

Ich bin sehr gespannt, was dieses Experiment mit mir macht und was ich dabei alles über mich selbst lerne. Bisher habe ich folgendes bei dem Selbstexperiment gelernt. 

Weniger Bildschirmzeit, Selbstexperiment nur 15 Smartphonezeit/Tag

4 Dinge, die ich durch das Reduzieren meiner Smartphonezeit bisher gelernt habe

1.  Zeitliche Begrenzung führt zu bewusster Nutzung

Wenn ich mein Smartphone nur 15 Min pro Tag benutzen darf, mache ich dies viel bewusster. Das bedeutet ganz konkret, dass die Nachrichten, die ich schreibe, meist kürzer und auch positiver sind als vorher. Und dass ich oft nicht mehr wahllos irgendwelche Inhalte konsumiere, auch wenn mein Hirn mir immer noch vorschlägt, genau dies zu tun. Stattdessen überlege ich meist schon im Vorfeld, was mich gerade interessiert und ob es mir etwas bringt, wenn ich genau jetzt weiß.

2. Mein Smartphone lenkt mich von meinen beruflichen Zielen ab.
Vor meinem Urlaub habe ich festgestellt, dass ich nicht mehr gut arbeiten kann. Ich war unkonzentriert und alles, was ich angefangen hatte, hat super lange gedauert. Irgendwann habe ich meinem Mann davon erzählt und er fragte mich, was mich denn ständig stören/ablenken würde? Als ich darüber nachdachte, stellte ich fest, dass ich mich selbst störte. Und zwar durch den ständigen Griff zum Smartphone. Die ganzen kleinen “Ich schau mal schnell” Momente sorgten dafür, dass ich ständig abgelenkt war. Durchschnittlich wurde mein Tag 100 Mal/Tag durch mein  Smartphone unterbrochen, bei 14 Stunden potenzieller Nutzungszeit sind das ungefähr 7 Unterbrechungen pro Stunde. Also kein Wunder, dass ich unkonzentriert war. 
 
Jetzt nach 12 Tagen Selbstexperiment kann ich sagen, dass ich schon wieder viel besser und konzentrierter arbeiten kann. Der Drang, schnell mal was zu schauen, ist aber immer noch da. Aus diesem Grund verstecke ich es die meiste Zeit am Tag vor mir. Ganz nach dem Motto “Aus den Augen aus dem Sinn”. Ich nehme mein Smartphone bspw. auch nicht mehr mit an den Schreibtisch, stattdessen lege ich es im Nachbarraum in eine Box. Und wenn ich merke, dass meine Gedanken trotzdem unruhig werden und mir Dinge einfallen, die ich noch erledigen will, schreib ich sie auf einen Zettel für später. Interessanterweise ist die Hälfte davon später gar nicht mehr relevant.
3. Je weniger ich mein Smartphone nutze, desto zufriedener bin ich

 
Vor meinem Selbstexperiment war ich durchschnittlich 3,5 Stunden pro Tag am Smartphone. Mails beantworten, Nachrichten lesen, Social Media checken, Whatsapp schreiben, Musik hören und irgendwelche Dinge googlen. Was man halt so macht. Doch genau dieses “Was man halt so macht” hat dazu geführt, dass ich viele Dinge, die ich eigentlich machen wollte, nicht gemacht habe. Sei es beruflich oder privat. Statt Keyboard spielen, Sport oder Lesen hing ich abends und zwischendurch oft am Handy. Und fast täglich ging ich mit diesem blöden “nicht fertig” Gefühl ins Bett. Seit ich meine Handyzeit jetzt so drastisch reduziert habe, ist dieses Gefühl weg. Stattdessen bin ich viel zufriedener und weiß das ich Dinge  gemacht habe, die mich wirklich interessieren.
4. Smartphone: ein Schnuller für Erwachsene

 
Hast du dich mal selbst beobachtet, wenn du gerade Stress hast oder müde bist? Ich habe das die letzten Tage gemacht und ich muss sagen, es war amüsant. Vor allem weil ich mich ohne es zu merken oft wie ein Kleinkind benommen habe. An manchen Tagen war ich so müde und gleichzeitig so unter Spannung, dass ich überhaupt nicht mehr gemerkt habe, wie müde und angespannt ich war. Ich war quasi wie ein dreijähriges Kind, das sich kaum noch auf den Beinen halten kann, aber behauptet, nicht müde zu sein. Und immer wenn das der Fall war, hat mein Hirn umgehend versucht, das System auf eine andere Art runterzufahren.
 
Erster Lösungsvorschlag: Smartphone. Als ich das Angebot für meinen digitalen Schnuller nicht annahm. Köderte mein Hirn mich mit Shopping, Urlaub und Zucker. Und auch wenn mir das an dieser Stelle alles aufgefallen ist, konnte ich nicht STOP sagen, sondern habe die Tüte Chips gegessen. Doch das ist ok, es ist ein Lernprozess und beim nächsten Mal kann ich das Muster bestimmt schon besser durchbrechen und mich einfach ne Weile hinlegen. Und genau dafür liebe ich meine Selbstexperimente. Sie helfen mir dabei, mich selbst besser zu verstehen.

 Selbstexperiment-Fakten

  • vorher: durchschnittliche Nutzung/Tag: 3,5 Std

  • vorher: durchschnittliche Aktivierung/ Tag: 100 Mal 

  • Während des Selbstexperiments: 15 Min Nutzungsdauer/Tag

  • Ausgeschlossen von dieser 15-Min-Regelung sind berufl. Telefonate, Onlinebanking, Parkapp.

  • Meine Mails beantworte ich nur noch am PC

Ziel meines Selbstexperiments

  • Mehr Konzentration und Fokus 

  • Mehr Ruhe im Kopf

  • Meine eigenen Gefühle und Bedürfnisse besser erkennen

  • Weniger Bildschirmzeit und mehr Leben

Wenn du deine Smartphonezeit auch reduzieren möchtest, es aber allein nicht hinbekommst, können dich (ironischerweise) auch Apps dabei unterstützen. Zum Beispiel Space oder Forest.

Solltest du das Gefühl haben du brauchst professionelle Unterstützung, um dein Nutzungsverhalten zu ändern, findest du beim Fachverband für Medienabhängigkeit eine Liste von Ansprechpartnern.

Danke fürs Lesen!

Hast du Fragen zu den Selbstexperimenten? Oder wünschst du dir Unterstützung? Dann schreibe mir eine Mail. Ich freue mich von dir zu hören.

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Corinna Mamok, Selbstexperimente zur Selbstfindung,

About Me

Hi, ich bin Corinna. 

Ich bin Autorin, Fotografin, Storytellerin und Expertin für Selbstexperimente. Seit über 1,5 Jahren mache ich jeden Monat ein Selbstexperiment. Ich liebe Bücher, Tiere, das Meer, den Wald, tiefgründige Gespräche, Filme, frühes aufstehen und mein guilty pleasure ist Twilight.

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